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JEM-Segen für die Schwimmer

15.05.2012 | 16:13

Wenn Christian Holzmacher, mit Mikrofon bewaffnet, die neuen Deutschen Meister vor vollen Zuschauerrängen zu sanften Statements inspirierte, hörte man nicht selten Aussagen wie diese: “Ich bin überglücklich und einfach nur müde!” Das Wettkampfprogramm war sicherlich nicht unbedingt günstigt zusammengestellt. Dennoch verliefen die 124. Deutschen Meisterschaften im Schwimmen im Vergleich zu den Vorjahren in vielerlei Hinsicht auf überraschend hohem Niveau.

Konzentrieren wir uns allein auf die JEM-Jahrgänge. Bereits am ersten Wettkampftag wurden gleich über drei Strecken – 1500 Freistil der Frauen sowie 800 Freistil und 400 Lagen der Männer – neue Deutsche Altersklassenrekorde aufgestellt. Strecken also, auf denen sich der Schwimmnachwuchs eher schwer tut, sind sie doch mit hohen Trainingsaufwand, vor allem den unliebsamen hohen Umfängen an Kilometern, verbunden.

Bemerkenswert waren beispielsweise die Ergebnisse von Alexandra Wenk (1995) aus München. Mit neuen deutschen Altersklassenrekorden über 50 und 100 Schmetterling schaffte sie nicht nur den Durchbruch in die nationale Spitze. Sie holte sich über beide Strecken den Titel in der offenen Klasse und kann berechtigt auf einen Staffelplatz bei den Olympischen Spielen hoffen. Alexandra startete ihre internationale Karriere mit der EYOF 2009 und arbeitete sich über JEM 2010 sowie JEM und JWM 2011 auf ihr heutiges Niveau. Ähnliches gelang auch Eileen Diener (1995). Die Potsdamer Sportschülerin (PSV Cottbus) konnte nach krankheitsbedingten Pausen in diesem Jahr endlich kontinuierlich durchtrainieren und sich bei den vergangenen Meisterschaften im offenen Finale über 200 Rücken Platz 3 sichern.

Oder der 21-jährige Berliner Martin Grodzki, der in diesem Jahr bei den US-amerikanischen College-Meisterschaften auf sich aufmerksam machte und einen neuen Rekord über die 1650-Yard-Distanz aufstellte. Über die 400 Freistil war er hartnäckiger als Fusspilz, als er für 375 Meter einfach nicht von der Seite von Paul Biedermann wich und erst im Schlussspurt auf Platz 2 verwiesen wurde. Auch dies ein interessantes Phänomen, dass häufiger zu beobachten war. Wie zum Beispiel bei der Cottbusserin Anna Dietterle (1997), die ebenfalls an der Sportschule lebt, lernt und trainiert. Sie geht beinahe unbeschwert ins A-Finale der schnellsten Freistilsprinterinnen Deutschlands und versucht neben Britta Steffen, Dorothea Brandt und Co. Anschluß zu halten.

In einer Gesamtbetrachtung können die erbrachten Leistungen der JEM-Jahrgänge als positiver Aufwärtstrend bewertet werden. Gerade auf den Brustdistanzen unterboten häufig mehrere Schwimmerinnen die JEM-Normen, wie auch beispielsweise die Männer über 400 Freistil. Die diesjährige Jugend-Nationalmannschaft könnte daher mit erstarktem Selbstbewußtsein ihrer Konkurrenz in Antwerpen gegenüber treten. Das Niveau der europäischen Spitze in den Jahrgängen 1996/1997 weiblich und 1994/1995 männlich, so verraten es aktuellen Bestenlisten im Internet, liegt allerdings noch um einiges höher. Bereits am 2. Juni startet daher das deutsche Aufgebot ins traditionelle Trainingslager in Heidelberg, drei Wochen später folgt ein Testwettkampf in Stuttgart.

Der Landesschwimmverband Brandenburg hat sich in dieser Hinsicht gut dargestellt. Nach den sehr guten internationalen Erfolgen in 2011 unterboten in Berlin erneut 4 Schwimmer der Sportschule Potsdam die gefordeten JEM-Normen. Anna Dietterle (50 Freistil, Rücken und Schmetterling, 100 Freistil), Maximilian Bock (1500 Freistil), Carl Louis Schwarz (50 und 100 Rücken) und Tim-Thorben Suck (50, 100 und 200 Freistil, 50 Brust) wurden am letzten Wettkampftag von den Bundestrainern für die Jugend-Nationalmannschaft aufgestellt. Marko Letz, der als Lehrertrainer in Potsdam arbeitet, wurde ebenfalls für das DSV-Team nominiert. Yannick Lebherz vom Potsdamer SV sicherte sich bereits am ersten Wettkampftag seine Teilnahme bei den Olympischen Spielen über 400 Lagen, später auch über 200 Rücken.

Zum Weiterlesen: MAZ vom 15.5.2012

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