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Wie in einem Traum

30.08.2012 | 13:24

Maxie Borchert über die Eröffnungsfeier der Paralympischen Spiele 2012

 

Ich halte meine Augen geschlossen und höre nur das gigantische monotone Geräusch tausender jubelnder Menschen. Tränen laufen mir über das Gesicht und ich will, dass dieser Moment niemals endet. Doch das wird er und deswegen versuche ich alles aufzusaugen: Den kühlen Wind, den Bass, der den Boden unter meinen Füßen vibrieren lässt, das Flackern des Blitzlichtgewitters vor meinen geschlossenen Augen, die gesamte Atmosphäre, die mich umgibt und überwältigt. Ich öffne meine Augen und fühle mich, als ob ich träumen würde.

Doch befinde ich mich nicht inmitten eines Traums, der soeben für Sportler aus aller Welt wahr geworden ist? Für die Sportler, die gerade bei ihrem Einmarsch in das Stadion mit tosendem Applaus begrüßt werden? Und ist nicht auch der große Traum von Sir Ludwig Guttmann wahr geworden, der hier in England angefangen hat zu träumen? Die Spiele sind nach Hause zurückgekehrt und mit ihnen das Versprechen aufzuwachen und zu leben.

Seit meiner Ankunft in England habe ich Tag für Tag erfahren, wie Inklusion gelebt werden kann. Und genau das repräsentiert auch diese grandiose Eröffnungsfeier der Paralympischen Spiele 2012: Das Leben von Integration und Inklusion. Den Anfang macht der im Krieg verunglückte David Rawlins, als er mit seinem Flugzeug über das Stadion fliegt. Dann ist plötzlich seine Stimme zu hören, als er sich aus dem Cockpit meldet und das Stadion ist außer sich. Neben den über 4200 Athleten, die anschließend gebührend begrüßt werden, sorgen zahlreiche Akrobaten mit Behinderung für Stimmung und Begeisterung. Sie turnen in schwindelerregender Höhe und schweben über das Stadion, frei von den Fesseln der Vorurteile. Und als er auf der riesigen Leinwand erscheint, steht die Zeit still: Stephen Hawking.

„Look up at the stars and not down at your feet“, schallt es durch das Stadion.

Nichts ist unmöglich, wenn man es wirklich will und was möglich sein kann, das zeigen uns die Menschen hier. Sie sagen: Seht her, seht uns an und schaut, wozu wir in der Lage sind. Und mit dieser Botschaft entfachen sie das Paralympische Feuer in jedem von uns schon bevor Margret Maughan die Flamme entzündet.

Das Spektakel geht in die finale Phase: Das Feuerwerk erleuchtet das gesamte Stadion, Beverley Knight singt aus vollem Halse „I am what I am“ und nahezu alle Menschen im Stadion tanzen ausgelassen. Ich lache und weine zugleich und hoffe, dass Stephen Hawking Recht hat als er sagt: „Bei diesen Spielen geht es auch darum die Ansichten dieser Welt zu verändern.“ Ich hoffe, dass diese Spiele tatsächlich die Kraft haben, einen größeren Platz für Menschen mit Behinderung im Bewusstsein unserer Gesellschaft zu schaffen.

Eines ist jedenfalls sicher: „These will be Games to remember.“ (Sebastian Coe)

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