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Phänomen Fußball

von Julius B. Hey (MuK 13)

In den Medien wird die Normalität von Gewalt in Stadien zunehmend heiß diskutiert. Oft werden als Auslöser so genannte „Hooligans“ angeführt, doch wie es zu solchen Eskalationen kommt, und welchem Zweck diese Aggression dient, bleibt weitestgehend ungeklärt. Klar ist jedoch, dass der Reiz, seinen Emotionen freien Lauf zu lassen
gerade Jugendliche lockt. Oft fehlen Alternativen für die Freizeitgestaltungen. Aufgrund dieser Tatsache möchte ich dieses Thema einmal genau durchleuchten, um somit zur Aufklärung Interessierter beizutragen.

Leben für den Fußball

Die ganze Woche hab ich nur ein Ziel- das Wochenende. Ständig schweife ich mit meinen Gedanken aus dem Alltag ab und denke an Fußball, Freunde und Bier. Die Chance dabei seinen Emotionen einmal freien Lauf zu lassen ist wie eine Droge. Ich brauche ständig mehr, um die Probleme aus der Woche zu verdrängen. Gerade in der Schule läuft es nicht besonders gut, da ich in meiner Freizeit wirklich besseres zu tun habe als mich auf Hausaufgaben oder Tests vorzubereiten. „Leben für die Kurve“, das ist meine Philosophie. Basteln für Choreographien, Auswärtsfahrten planen und rumhängen mit Freunden, das ist das Wahre.

Gewalt als "Normalität"

Bier und Fußball gehört für viele Fußballfans zusammen. Infolge dessen senkt sich auch die Hemmschwelle und nicht selten artet ein friedlicher Spielbesuch in Schlägereien aus. Dabei stehen vor allem verfeindete Fangruppen oder
Auseinandersetzungen mit der Polizei im Fokus. Immer wieder wird von Anhängern dabei das willkürliche Vorgehen von der Polizei kritisiert. Bei Festnahmen von sogenannten „Gewalttätern“ kommt es des Öfteren zu Irrtümern. Doch ist so etwas wirklich möglich? Im Rahmen meiner Recherchen stoße ich auf einen Fan, der dazu Stellung nimmt.

Interview

Ich: Du bist seit mehreren Jahren in der Kurve aktiv und hast schon einige Dinge miterlebt. Aber wie bist du überhaupt mit dieser Szene in Kontakt gekommen?
X.: Naja also angefangen hat es eigentlich durch meinen Freundeskreis. Viele waren schon bei Spielen dabei und sagten, dass die Atmosphäre jedes Mal echt super wäre. Tja und dann gings los mit Heimspielen, erst nen paar dann immer regelmäßiger und schließlich dann fast jedes Spiel.


Ich: Und waren deine Erlebnisse ebenfalls so positiv wie bei deinen Freunden?
X.: Ja klar! Es war super, jedes Spiel Emotionen pur und feiern mit seinen Freunden. Was will man mehr?

Ich: Warum war es super?
X.: Hmm es macht natürlich auch nur solange Spaß wie diese Leidenschaft nicht unterbrochen wird!


Ich: Darf ich fragen, was passiert ist?
X.: Also vor etwa einem Jahr war ich auf einem Auswärtsspiel dabei. Wie auch bei vielen anderen davor begleitete uns die Polizei von Beginn an. Beim Spiel kam es zu kleineren Auseinandersetzungen mit den gegnerischen Fans, weshalb nach dem Spiel besondereSicherheitsvorkehrungen der Polizei getroffen wurden. Am Bahnhof eskalierte die Situation und es kam zu mehreren Festnahmen. Unter anderem auch ich, obwohl ich wirklich nichts mit dem vorgeworfenen Sachverhalt zu tun hatte.


Ich: Unglaublich! Aber wenn du es wirklich nicht warst, kam es mit Sicherheit nicht zu einer Anzeige?
X.: Doch! Trotz mehrerer Zeugen kam die Sache sogar vor Gericht, wo es schließlich zu einer Verurteilung kam.

Ich: Wie kann so was passieren ?
X.: Also während der Verhandlung konnte man feststellen, dass die meisten Leute recht
voreingenommen auf solche Angelegenheiten reagieren und nicht auf die Personen an sich
eingehen.


Ich: Was meinst du damit?
X.: Naja ich meine, wenn man selbst nie zuvor auffällig war und trotz Zeugen sofort verurteilt wird und nun neben der Schule auch noch Sozialstunden ableisten muss, weiß ich nicht, ob das objektiv eingeschätzt wurde.

Ich: Ja klingt wirklich sehr merkwürdig. Passiert so etwas öfter?
X.: Naja ehrlich gesagt sehr selten. Oft sind diejenigen, die rausgegriffen werden schon
vorher aufgefallen.


Ich: Und seit dem? Hast du selber Konsequenzen gezogen?
X.: Seit dem bin ich nicht mehr so oft beim Fußball wie früher. Die Angst, dass so was nochmal passiert ist zu groß. Auch im Alltag hat sich seit dem einiges verändert. Durch meine Vorstrafe hab ich meist schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt und muss nehmen, was kommt.


Ich: Bist du trotzdem zufrieden?
X.: Nein, natürlich nicht, ich bin immer noch der Meinung, dass so etwas nicht passieren darf!
Aber es hat auch was Gutes, seit dem steht für mich nicht mehr Fußball an erster Stelle,
sondern ich konzentriere mich mehr auf meine Arbeit.


Ich: Ok ich danke dir für das Interview und zum Abschluss noch eine letzte Frage, wie geht das Spiel aus?
X.: Natürlich 3:2!

Ausblick und Künftiges

Durch dieses Interview wird zwar deutlich, dass es tatsächlich zu solchen Irrtümern kommt. Doch es ist zu hinterfragen, ob dies wirklich eine Grundlage für Gewalt? Fakt ist jedoch, dass die Situation zwischen gegnerischen Fans immer wieder eskaliert. Inwiefern diese Aggression durch die Polizei unterbunden wird oder ob es aufgrund der Machtlosigkeit tatsächlich zu „willkürlichen“ Festnahmen kommt, möchte ich innerhalb eines neuen Projektes klären. Ohne zu viel zu verraten, wird es in dieser Dokumentation die Gewalt in Stadien kritisch unter die Lupe genommen. Also falls euch dieses Thema wirklich interessiert, schaut es euch unbedingt an.